Diözesanverband

Kurze Geschichte des Kreuzbund DV Osnabrück

Im Kirchlichen Amtsblatt für die Diözese Osnabrück vom 24. November 1904 wird auf Seite 1 unter Nr. 1 ein „Oberhirtlicher Erlaß betreffend die Einführung eines Mäßigkeits-Vereins" veröffentlicht. Hierin teilt Bischof Hubertus mit, dass er „in reiflicher Überlegung und im Verein mit der Diözesan-Geistlichkeit beschlossen (hat), für die Diözese und den Bereich der mir unterstellten Missionen einen neuen, unseren Verhältnissen angepassten Mäßigkeits-Verein zu begründen und ihn unter den besonderen Schutz der hl. Familie zu stellen".

Im gleichen Amtsblatt unter der Nr. 6 mit Datum vom 28. November 1904 gibt Bischof Hubertus bekannt, „dass ich zu Mitgliedern des Diözesan Vorstandes die Herren Domkapitular Harling, Dompastor Buchholz und Pfarrdechant Philips ernannt habe". Gleichzeitig werden „die hochwürdige Geistlichkeit, insbesondere die Herren Pfarrer (gebeten), sich des neuen, für das zeitliche und ewige Wohl der Gläubigen so überaus wichtigen Vereins mit priesterlichem Eifer an(zu)nehmen und vor allem für die Bildung eines einsichtigen und dauernd tätigen Ortvorstandes Sorge tragen zu wollen. Die Satzungen des Vereines, ihre Bedeutung und ihr Ziele sind wiederholt in der Predigt und besonders in der Volkkatechese zu erläutern ".

Mit diesem Erlaß und dem Einsetzen des Vorstandes wurde die Gründung des Mäßigkeits-Vereins als Ursprung des heutigen Kreuzbund vollzogen.

In Protokollen finden wir im Jahr 1907 erstmals die Bezeichnung „Katholisches Kreuzbündnis", und zwar in Zusammenhang mit den ersten Gruppengründungen für die Stadt Osnabrück. Erste Gruppen entstanden in den Pfarreien Herz-Jesu, St. Johann und Dompfarrei. Es waren offensichtlich zunächst nicht selbst von der Alkoholkrankheit Betroffene, sondern katholische Christen, die auch „durch das persönliche Beispiel der Abstinenz" richtungsweisende Maßstäbe setzen wollten.

Pfarrer Suitbert Hunfeld von der Gemeinde Herz-Jesu war einer der Initiatoren und über viele Jahre Vorkämpfer der Arbeit im Kreuzbündnis.

Die Gruppen in der Diözese Osnabrück nahmen eine rasante Entwicklung: Eine im „Kirchlichen Amtsblatt für die Diözese Osnabrück und die Nordischen Missionen Deutschlands" veröffentlichte Statistik zeigt, dass 1908 in den Mäßigkeitsvereinen 36748 Mäßige und 11702 Enthaltsame organisiert sind. Die Gruppen litten von Anfang an am Fehlen geeigneter Räumlichkeiten. Es wurde ein „Baufonds" eingerichtet. Dieser Fonds erreichte jedoch, bedingt auch die bald folgenden Vorkriegs- und Kriegsjahre, nie einen höheren Saldo als einige 100 Mark.

1918 greift Pfarrer Cramer von St. Josef das Anliegen nach einem eigenen Haus wieder auf und verfolgt das Ziel gemeinsam mit Pastor Hunfeld hartnäckig. Pastor Hunfeld stiftet insgesamt privat 14000 Mark für den Erwerb eines eigenen Hauses für das Kreuzbündnis in Osnabrück.

1919. Das Haus Klusstraße 3 wird gekauft und für die Bedürfnisse der Gruppenarbeit und alkoholfreien Geselligkeit hergerichtet. Hier muß erwähnt werden, das Pastor Cramer, nunmehr Caritasdirektor, seinen Perserteppich verkaufte und den Verkaufserlös in Höhe von 18000 Mark für die Herrichtung des Hauses zu Verfügung stellte. Es wurde einstimmig beschlossen, dem Haus den Namen „Johanneum" zu geben (nach dem Schutzpatron, dem hl. Johannes dem Täufer). Das „Katholische Kreuzbündnis zu Osnabrück" wird ins Vereinsregister eingetragen.

1920 bietet das Kreuzbündnis einen kostenlosen Mittagstisch für Alkoholabhängige und deren Angehörige ein. Die Kommission für Trinkerfürsorge entsteht, die vor allem mit der Caritas eng zusammenarbeitet.

Die Kinder- und Jugendarbeit und damit die alkoholfreie Jugenderziehung erhält 1930 einen hohen Stellenwert („Kinderwohl", „Aufrechtenwerk" und das Jung-Kreuzbund). In den Folgejahren darf auf Anordnung des „Dritten Reichs" der „Aufrechtenbund" (Jung-Kreuzbund) nur noch in kirchlicher Betätigung existieren. Nach einem Besuch von Caritasdirektor Walter Baumeister aus Freiburg wird 1937 offiziell für Osnabrück eine „Helfergemeinschaft der Trinkerfürsorge" zwischen Caritas und Kreuzbund gegründet, die fortan immer enger zusammenarbeitet.

1939, mit Ausbruch des 2. Weltkrieges wird die Arbeit immer beschwerlicher. Die kirchlichen Vereine, auch der Kreuzbund, wurden immer mehr in den innerkirchlichen Raum abgedrängt. Trotzdem wurde die Aufklärungsarbeit erheblich verstärkt. Die Zeitschrift des Kreuzbundes, „Johannisfeuer", wurde von 9 Pfarreien in Osnabrück „regelmäßig ins Feld geschickt".

Ab 1943 kam die Gruppenarbeit fast vollständig zum Erliegen.

1945. Der Wiederaufbau beginnt. Aber die Menschen hatten andere Sorgen: Die Grundversorgung musste gesichert werden, viele Männer waren in Kriegsgefangenschaft und zerstörte Wohnungen mussten wieder hergerichtet werden. Das Vereinsleben kam fast völlig zum Erliegen. In den folgenden 10 Jahren wurde Alkoholismus mangels Alkohol nicht zur Massenerscheinung.

Trotz aller Widrigkeiten versammeln sich 1946 anlässlich des 50 jährigen Jubiläums des Kreuzbund-Bundesverbandes auf dem Marienberg in Neviges 40000 Pilger zu einer Sturmandacht.

Mit Beginn eines wachsenden Wohlstandes wurden auch Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit wieder verstärkt sichtbar. Jetzt beginnen auch wieder verstärkt die Aktivitäten zur Eindämmung des Alkoholismus. In der Diözese Osnabrück trafen sich ab 1950 die „Verstreuten" des Kreuzbundes regelmäßiger und in größerer Zahl, um den Neubeginn oder die aktivere Fortführung der Arbeit zu organisieren.

1958 findet die erste Diözesantagung in Osnabrück statt. Sie darf als die Initialveranstaltung für eine umfassende und systematische Schulung der Kreuzbundmitglieder auf Diözesanebene angesehen werden. Die Gruppenarbeit wird systematisiert. Es werden erste Regeln aufgestellt. Neben der Gruppenarbeit wird die alkoholfreie Geselligkeit und Freizeitgestaltung ein wesentlicher Bestandteil der Kreuzbundarbeit. Die Gruppenarbeit wird immer mehr durch Betroffene, behandelte Alkoholkranke, unterstützt. Der Kreuzbund und seine Gruppen gewinnen eine immer stärkere Bedeutung für die Nachsorge. Die enge Zusammenarbeit mit der Suchtkrankenhilfe der Caritas wird immer erfolgreicher zum Wohle der Alkoholkranken und der Angehörigen.

Der Kreuzbund vollzieht den Wandel vom Helferdienst hin zur Selbsthilfegemeinschaft im Jahr 1960. Die Betroffenen werden stärker in die Arbeit der Gremien des Verbandes (Diözesanverband und Bundesverband) einbezogen.

1968. Alkoholabhängigkeit wird von der WHO als Krankheit im Sinne der Reichsversicherungsordnung (RVO) anerkannt. Dadurch werden der Behandlung Abhängiger neue Perspektiven geboten, die Kreuzbundgruppen werden noch mehr in den Behandlungsverbund aufgenommen, die Nachsorge wird immer wichtiger, die Selbsthilfe tritt in den Vordergrund.

Der Kreuzbund nennt sich 1974 „Kreuzbund e.V. – Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke". Es setzt eine enorme Welle von Gruppengründungen ein.

1980 wandelt der Bundesverband durch entsprechende Satzungsänderung die Mitgliederversammlung in eine Delegiertenversammlung um. Auch der Diözesanverband Osnabrück führt die Delegiertenversammlung ein.

In den folgenden Jahren konzentriert sich der Diözesanverband auf die Betreuung der neuen Gruppen. In enger Zusammenarbeit mit der Ländlichen Erwachsenenbildung in Niedersachsen wird die Schulung der Gruppenleiter und Gruppenmitglieder systematisiert. Die Qualität der Gruppenarbeit kann dadurch wesentlich verbessert und stabilisiert werden.

Der Kreuzbund wird 1981 Fachverband des Deutschen Caritasverbandes.

Die Räume an der „Kleinen Domfreiheit" werden 1988 zu klein und genügen nicht mehr den Anforderungen. Das Haus „Wachsbleiche 15" wird das neue Domizil der Geschäftsstelle des Diözesanverbandes und neue Heimat für die Osnabrücker Gruppen. Mittlerweile sind auf Diözesanebene 90 Gruppen (1970 = 5 Gruppen) aktiv. Die notwendigen Umbauarbeiten übernehmen die Mitglieder selbst. Der Kreuzbund-Diözesanverband Osnabrück wird eingetragener Verein.

Die Strukturen des Verbandes werden auf Vorschlag einer Strukturkommission im Jahr 1990 neu geordnet. Der Regionalverband Emsland-Mitte entsteht. Es werden Arbeitskreise auf Stadt- und Dekanatsebene gebildet.

Auf der Gruppenleitertagung am 28.10.1995 fordert der Diözesanvorsitzende Dieter Wiethe in einem Grundsatzreferat die verstärkte Rückkehr zur Selbsthilfe. Durch das enorme Wachstum des Kreuzbundes droht die Helfertätigkeit die Selbsthilfe zu verdrängen.

Die Delegiertenversammlung beschließt 1997 die Einrichtung einer Strukturkommission. Die Strukturen des Verbandes müssen den veränderten Erfordernissen der Gegenwart angepasst werden. Die geographischen Strukturen sollen denen unserer Partner (Caritas und LEB) angeglichen werden, die inhaltliche Arbeit muss überdacht werden und die Organisation der Organe (Vorstand, Delegiertenversammlung) soll überprüft werden.

2000. Die Delegiertenversammlung beschließt, alle drei Jahre eine Mitgliederversammlung abzuhalten. Damit sollen die Mitglieder direkter in die wichtigen Beschlüsse des Verbandes einbezogen werden.

Die Mitgliederversammlung beschließt unter Anderem auf Vorschlag der Strukturkommission im Jahr 2003 die Bildung von Kreisverbänden und die Amtszeitbegrenzung für Vorstandsmitglieder. Damit sollen die verbandlichen Strukturen den Anforderungen der Gegenwart angepasst werden.

Der Kreuzbund feiert sein 100-jähriges Jubiläum im Jahr 2004.

Auf der Mitgliederversammlung 2006 wird Cordula Hüsken Diözesanvorsitzende. Damit wird erstmals in der Geschichte des Diözesanverbandes Osnabrück eine Frau Vorsitzende.

2009 wird Ludwig Böwer Vorsitzender. Er gibt sein Amt nach nur wenigen Monaten aus persönlichen Gründen zurück. Es werden Neuwahlen notwendig. Der Geschäftsführer Günter Niemeyer verlässt den Kreuzbund. Im November werden Dieter Wiethe und Benno Theisling mit der Wahrnehmung der Geschäfte und Leitung der Geschäftsstelle beauftragt.

Die Mitgliederversammlung wählt am 5. Februar 2011 einen neuen Vorstand. Rüdiger Blomeyer wird Diözesanvorsitzender. Am 26. März 2011 wird Benno Theisling von der Diözesankonferenz zum Geschäftsführer berufen.

Petra Schmidt

Kreuzbund Diözesanverband Osnabrück e.V. | Bramscher Str. 158 | 49088 Osnabrück | Telefon: 0541 - 6 43 39